gleich einem blatt fällt uns das leben
vom himmel zu bei der geburt.
noch ist es weiss, obgleich der rahmen vorgegeben
von jeher stamen raum und zeit.
alsbald beginnt von selbst zu schreiben
noch unbeschwerter menschen kind.
erst zitternd, zaghaft, schwankend, krumm,
die ersten linien im versuch.
allmählich füllt sich bunt die seite,
die ihm beschert im lebensbuch.
dann hällt es inne, blickt zurück
auf manchen klecks und kreisel.
schaut um sich, dreht sich – wahn! – verrückt.
denn du siehst nicht, ob’s dir geglückt.
allein der andern lebensbilder
kannst deuten – bildest du dir ein.
doch wisse, kluger zeichendeuter,
die wahrheit bleibt bewusst geheim.
stehst du doch stets in deinem bilde,
auf dem verwurzelt der verstand,
so dass sich unverhüllt nie zeigt
kunst und genie des fremden geist.
doch nicht einmal das eigne leben
zu sehen in der formen rein
ist dir vergönnt, da du gefangen
im rahmen, der dich ganz schliesst ein.
so bleibt am ende nur die sehnsucht,
von der erfüllt du schliesslich hauchst
den letzten atem bei dem strich;
damit dich dann am tag des todes
dein lebensblatt vollendet schaut,
von dem einst eins dem andern glich.
doch sei gewarnt, mensch, übe demut
und fürchte nicht des dunklen glanz.
am tag des todes fällt die täuschung,
fällt eitler augen trugdistanz.
am tag des todes tauchen nämlich
auch weisse bilder tief in schwarz.