auf dieser unterseite stehen gedichte, die ich nicht für gut genug halte, um sie auf der hauptseite zu präsentieren, die nach meinem dafürhalten aber auch nicht so schlecht wären, als dass sie ganz ungenannt bleiben müssten. wer sich also hier umschaut, sollte sich demnach nicht wundern, wenn die qualität der texte nachlässt. (was nicht bedeuten soll, dass die anderen texte etwa so überragend wären. whatever…)
nach richt
es gab ein mann mir heut bekannt,
strahlend weiss war sein gewand,
die stimme ernst, ich war gebannt:
den tag, die stund’, den ort, das land,
an dem mein sein sein ende fand
- mein blick hing modern an der wand..
ich nahm die tasche, nahm den hut,
fing an zu fragen, was man tut,
wenn man sein todesdatum kennt.
ich sprang von brücken, sprang in seen,
doch sollte ich nicht untergehn,
nicht sterben, noch den tunnel sehn -
mein todestag scheint festzustehn.
was ändert sich, was tue ich?
nicht viel, wenn du mich fragst.
ich gehe nun auch wie zuvor
zur arbeit und ins pub.
hab gar vergessen jenen tag,
an dem ertönt mein letzter schlag.
du lachst, doch es ist wahr!
bedenke doch, was ich hier sage
und nenne mich nicht tor.
denn sicher ist auch dir das grab.
und,
stört dich das?
ruhst nicht auch du auf sanftem ohr
und lebst dein leben wie zuvor?
das schicksal mag dir sein verhasst -
wen kümmert’s, dass du dich so sträubst?
lass los und sei ganz unbesorgt,
es ist bestimmt, wenn du dich beugst.
lass los die ängste, los die sorgen,
vetrau dem schöpfer nur allein,
denn er lässt aller tage morgen
von neuem sein
- oder nicht sein.
was du auch tust, ’s sei dir gegönnt,
gott selbst lässt’s ja geschehn.
vergiss nur nicht dieses gedicht,
dann wirst vielleicht auch du verstehn:
die tage dein sind schon gezählt,
doch das ist kein problem.
nein, vielmehr macht der umstand mir
dies leben angenehm.
in sich gekrümmt
homo incorvatus in se ipse
kaum, dass ich es aushalte
in meiner haut. ich will sie von mir reissen,
die fetzen, welche sich mit blut
befleckt, mit scham beschmutzt
in schuld tief senkten.
ein wahn kommt
in mir hoch, nein, aus mir raus! wie
die falschheit aus
jeder einzelnen porendrüse;
wie der ekelhafte geschmack auf der
gelbgefleckten zunge, der
sich mir aufzwängt beim anblick meiner selbst.
kaum, dass ich es aushalte:
beissendes gewissen, lähmende gedanken
immer nur im sog des sündenstrudels -
geht die seele langsam unter.
sie kippt und kann doch nicht heraus
aus ihrem eigenen gefängnis, dem
körper ihrer laster, ihrer last.
kaum, dass ich es aushalte,
den faulen gestank meiner fehler,
der imperfekten kompromisse,
die überall auf meinem leib verteilt
die untat von mir schreien,
den andern lauthals ins gesicht:
“lasst. fasst. hasst. gefasst. fast gefasst. entwischt.”
angklagt.
wieder und wieder.
gesühnt, gebeichtet, verzweifelt gestanden.
verdrängt und gewütet. verflucht das opfer,
verflucht den tag. die welt muss vergehen,
ich muss gestehen. gestehen. sie sehen.
ja, sie muss!
denn alles all ward infiziert;
vom ichgekreise, vom gekrümmten
menschlein in mir drin.
vom feind, der sich vorangekündigt,
der lächelnd um mich warb, den ich jetzt in mir spüre,
der immer mächtger wird.
nein, schieb’s bloss nicht
auf der andern teufel mächte.
kaum, dass ich es aushalte,
denn einzig beißt so fest und fester
das jüdische gewissen, das die alten werte jäh
zu wahren sucht.
sei verflucht, sei verflucht.
du und ich und alle.
ich falle, ich falle.
mein versagen. meine schuld.
ich ganz allein.
sieh her, schon wieder -
es darf nicht sein.
ich darf nicht sein. mein
gift allein soll jetzt sich wenden gegen den,
der es versprüht, ausbreitet.
setz an und schau!
geniess’ die absolute
lossprechung.
absolution, satisfaktion.
ich falle. alle.
kaum, dass ich es aushalte in meiner haut.
jener fade geschmack der imperfekten gegenwart,
des allpräsenten perfekts.
kaum, dass ich es aushalte.
mein sein. dasein. das sein.
nach richt
gigantesque! Wirklich. Es hat so was selbstverständliches – und es is ja schließlich auch selbstverständlich. Simon, find ich echt krass. Ich bin wahrhaft beeindruckt.
flow