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engels.gleiche

der himmel ist zerbrochen.
ein engel – dort! – verloren fällt.
noch nie verspielte teerplatzkinder
steh’n stumm am ende eurer welt.

seht das meer, es ist entflammt.
von dem sie einst die liebe tranken.
der anblick ist so wundersam enstellt
wo erdensäulen donnernd wanken.

zitternd bebt das trockne land,
auf dem die füss’, die blanken,
selbst starke krieger auf dem weg nicht hält,
da sie am lebenssinn erkrankten.

rauch und schwefel kommen auf,
die luft verbrennt. die todgeweihten danken.
denn triste einsamkeit hat sich gesellt
zu denen, die sich längst abwandten.

einst ward er voll der äther:
voll hoffnungsvollem streben.
doch fällt der tief, der hoch sich weiß;
weil sie so sind: dies gottes regeln.

jetzt weint und liegt in meinem schoss
ein engel mit gebrochnem flügel.
beklagt sein ungeschick. ist all dies bloß
ein böser traum genährt von toter liebe?

flüsternd dringt sein wort zu mir.
ganz leise wiegt er nur, sein klang.
doch wenn der himmel einmal brach
tritt ein, zeit, in der ew’gen bann.

so musst’ der horizont erst brechen,
damit der wunsch sich alt erfüllt.
denn schmerzverzehrt erblickt das paradies
wer fühlt, was nur ein engel fühlt.

schlafes bruder

die seele krankt im talgrund unten
allein im alten hirtenbau.
das lufttuch, es zerfällt
in modernd feuchte fetzen.
verfault, verschimmelt und zersetzt
vom steten tau, der von den steilen gipfeln
ungetrübter ideale hinunterrinnt in seichten salen.

nicht heut zum ersten mal
tritt licht heran durch morsche ritzen
ins sonst beherrschte schattendunkel,
in das die trauernde sich kroch,
um endlich abzuschließen
und unentdeckt den ewgen lebensabend
im sterbenstreben zu erleben.

doch heut erweckt der lichteinfall
so ungewohnt, so liebevoll
mit einem sanften streich
die graue stirn der alten seel,
die längst sich aufgegeben,
und ihren müden geist
aus fett und aus jahrhunderttalg
und bricht sie auf -
selig, still und sacht -
durch kaum ein hölzern spalt.

und doch mischt sich der garstge graben
hinein in dieses lichtes lied.
der spalt, der nie versiegt und nicht
durch kampf, noch kraft, noch denkgewalt
bis heute ward bezwungen.
der spalt der sich auftut sobald
bewusstsein je beginnt,
der schmerzhaft uns erkennen lässt
des schicksals schwarz gefärbten pfeil
im dickicht menschlich irriger erfahrung
und letztlich stets gewinnt.

so schlaf ruhig weiter, tote seel,
und sei gewiss: du wirst nie frieden finden
bis in den tag, der aller tage abend.
doch tröste dich an ursprung und am ziel,
das dich selbst nicht vergisst
im talgrund drunt versteckt,
aus angst vor tiefster höh.

would you mind killing me?

der dämon ist erwacht
aus der tiefen urgewässer.
der dämon ist erwacht
und lacht so laut im talgrund unten,
dass alles bebt und hallt.
der dämon ist erwacht,
er hält mich ganz und gar umschlungen,
dass trägheit in mir waltet;
machtvoll er voranschreitet.

nun bin ich müde
und alles wird mir schwer:
leben, liebe luft zur last.
das nichts ist es, was mir allein
nunmehr zur seligkeit gereicht
und still sich bleich die frage stellt
wann sie wohl kommt, die ewge ruh.

komm, süsser tod, und tanz mit mir,
auf dass ich hell erleuchte.
ein letztes mal möcht lachen ich
dann führ dein schaf zur weide.
ein letztes mal mich lachen hör’n
und nicht die böse fratze sehn,
die ständig mich anblickt, im glase
stiller, trüber seelenseen.

und dich, mein schatz, dich frag ich nicht
denn du kannst nicht verstehen,
dass mein herz stirbt und wird vergeh’n
im mond und sog der schatten licht.

so frag ich sie, gevatter tod,
macht’s euch was aus, an ort und
stell den tauben sinn zu töten? ihr wisst
ich zahl ihn gern, den liebesdienst,
gern auch mit dem leben.

ein bisschen tod

komm, lass uns nach draussen geh’n.
die sonne scheint. ja dein gesicht,
so schön war es seit langem
verhalten glitzert abends
seidenfadnes herbstgoldlicht.

tief sinkt sie dieser tage,
tiefer als es damals war,
dort unten bei dem ruderboot.
riechst du den moder morscher bohlen,
wo weidenruten grün das wasser tränken,
die spieluhr, die vergessen von der zeit
das altehrwürdig, lieblich lied
durch deine mädchenhaften finger dreht?

wenn still man tags der dämmrung lauscht,
vermag man heute noch
dein unbeschwertes lachen
zu vernehmen, von dem
hier alles zeugt, von dem
dein zauber spricht.
dein zauber für die ewigkeit.

du standst auf königlichen steinen,
dein puls liess unsre schlefen glühn,
und tratst – ich trau
mich kaum das goldne bild
hervorzuholn, mein schatz,
mein kostbarst einzger, heran an mich
mit deinem blick,
der stumm sanft werden liess
dich und mich und alles, was da war.

es ist, ich weiss,
der preis, den jede schönheit fordert:
ein bisschen tod. von dem ich trank und der
alsbald mich süchtig macht.
und du, du liegst und siehst
mich an am hölznern grund.
die ruder weit enfernt
wie damals voller glück
und lächelst immer noch -
bezaubernd mit bedacht.

In der Fremde

die schwarzen gassen vielbelebter metropolen
im rus toter hetzjagdscheinwerflichter
sind laengst ausgekostet;
verglimmt im selben augenblick, in dem
erkannt wird,
dass die suche niemals endet,
wo fremde selbst des zieles ursprung ist.

nuechtern und erwartungslos
im bewusstsein alles irgendwann
schon einmal durchlebt zu haben, dass alles
bereits geschehen ist. irgendwie -
und wenn auch in verspielten
gedankentraumgesichtern nur.

* * *

der stete deckenventilator allein
wird nun zum treuen freund
im garten jener schweissvermufften hotelzimmerbetten,
die einzig dem geruch nach
von laengst vergangenen menschennaechten
zeugen.
und unten das dunstgeraeusch
der ohnehin blechern rollenden maschine,
der hybris verbrannter erdoelrevolutionszivilisationen.

sie ist zu klein, die welt
mit ihren kargen kontinentenseen;
mit tempeln tausend jahre alter monokulturen
und steinen gottgeweihter
zeichen. deuter
moegen sich versuchen,
die raetsel zu verstehn.

der ewig fremde doch, der rastet
im voruebergehn
der letzten hoffnungsschimmer, die
mit jedem weltwunderhaken
schleichend sich im kontemplationskonsum verzeheren.

nur wer im fremdsein wohl geuebt
vermag im schein den schatz zu heben,
der den trueben nachgeschmack aus den
wassern laengst vergossener paradiesstroeme
erneut und endlich kostend wecken moechte.

Geschützt: rawheit

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